Posted on:
09.11.2010
Written by:
Barbara Rüfenacht
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Roti Rösli – bevor sie verwelken

chilezentrum hergiswilFrauen in Rot präsentierten im Chilezentrum traditionelle Schweizer Lieder
Swissmaid Voice, ein feminines Trio mit Power und Pfiff, tritt seit eineinhalb Jahren gemeinsam im ganzen Land auf. Im Chilezentrum Hergiswil schlossen die Profimusikerinnen ihren Show-Reigen «Roti Rösli» ab, den sie im September in Luzern eröffnet hatten. Kein einziges Rösli war verwelkt.
«Die Idee zu ‘Roti Rösli’ hatte ich schon vor Jahren», erzählt Milena Bendakova, Mezzosopranistin aus Luzern. Die ausgebildete Lehrerin und Sängerin suchte allerdings lange vergeblich nach geeigneten Partnerinnen, die bereit waren, sich intensiv mit dem Schweizer Liedgut zu befassen, das man noch aus der Schulzeit kennt. Schliesslich tat sie sich mit zwei talentierten jungen Frauen zusammen, mit der aargauischen Pianistin Antje Marie Traub und der Thurgauer Sopranistin Sara Hugelshofer, beide mit grosser musikalischer Erfahrung und Begeisterung für ungewöhnliche Auftritte. Seitdem bringen die drei Frauen ihre Show mit prickelnden Tanzeinlagen, Klasse und sprudelndem Witz auf die Bühne.

«Vo Lozärn gäge Wäggis zue»
Das Repertoire an der Dernière reichte quer durch die Deutschschweiz vom «Vogulisi», über «Vo Lozärn gäge Wäggis zu», «S’ isch mer alles ei Ding», «Luegid vo Bärg und Tal» bis zu «Im Aargau sind zwöi Liebi». Aber auch die Hits aus der italienisch, rätoromanisch und französisch sprechenden Schweiz waren unter dem opulenten Ohrenschmaus vertreten, so etwa «L’inverno l’e passato», «Chara lingua della mamma» oder das freiburgische «Le ranz des vaches». Die selber geschriebenen Arrangements überraschten, die klassischen Stimmen betörten, der Schalk der drei Entertainerinnen verführte. «Erst in der Arbeit habe ich gespürt, wie tiefgründig die einfachen Texte sind», berichtet Milena Bendakova, die in den Kantonen Zug, Graubünden und Luzern aufgewachsen ist, Studien in Mailand absolviert hat und im Jahr 2001 an der Musikhochschule Luzern mit Diplom abgeschlossen hat. «Wir Schweizer können stolz auf unser farbiges Liedgut sein, es ist gespickt mit klingenden Schätzen.»

Tradition trendig verpackt
«Unsere Volkslieder sind ehrlich, eindrücklich, voll von Lebensfreude und spiegeln die unterschiedlichsten Facetten vom Leben und der Liebe wieder», sind sich die Powerfrauen, die in Hergiswil in glühendem Rot auftraten, einig. Mit «Roti Rösli» wollen sie vor allem zeigen, dass halb vergessene Schullieder durchaus trendig daherkommen können. «Es kommt nur auf die Präsentation und den Ausdruck der Lebensfreude an», meint Sara Hugelshofer. Die charmante und bemerkenswert ausdrucksstarke Sängerin schloss ihre Ausbildung mit dem Konzertreifediplom ab und ist regelmässig in Hauptrollen auf zahlreichen Schweizer und internationalen Bühnen zu sehen. Seit vier Jahren ist sie zudem Ensemblemitglied des Jungbrunnen Theater Zürich. Auch Antje Marie Traub ist stolz auf die Darbietung der schönen alten Lieder: «Wir möchten den Funken für populäre Volksstücke nicht nur heute Abend im Publikum entzünden, sondern hoffen, dass das Feuer noch lange brennt und sich verbreitet». Die Pianistin aus Baden mit den geschickten Händen auf den Tasten studierte Klavier und Orgel an der Musikhochschule Winterthur-Zürich und erhielt nach weiteren Ausbildungen im Ausland den Doctor of Musical Art, Klavier, Liedgestaltung und Kammermusik.

Selbst sind die Frauen
Die grösste Herausforderung sei es gewesen, zu dritt einen gemeinsamen musikalischen Weg zu finden. «Wir haben die Lieder so arrangiert, dass sie auf jede einzelne zugeschnitten sind», erzählt die sprühende Milena Bendakova, die auch mit Chansons von Edith Piaf, Marlene Dietrich, Juliette Gréco oder Hildegard Knef unterwegs ist. Ungeachtet der vielen Engagements, sind die drei Frauen Selfmadewomen. Sie haben weder einen Agenten noch einen Bühnentechniker. «Wir machen alles selber, vom Arrangement der Lieder, über die Sponsorensuche bis hin zum Kabellegen», verrät Milena Bendakova. Obwohl der Saal im Chilezentrum gut gefüllt war, fiel auf, dass mehrheitlich ältere Besucherinnen und Besucher den Weg ins Konzert unter die Füsse genommen hatten. Schade, denn das witzige Repertoire bot auch jungen Leuten durchaus Vergnügliches. So präsentierte das fabelhafte Trio den Volkshit «S Vogulisi» als fetzigen Rap. «Nächstes Jahr wollen wir unbedingt in Stans auftreten, wir suchen nur noch nach dem geeigneten Lokal», versicherte Milena Bendakova, kaum war der Vorhang gefallen. Man darf gespannt sein: Bereits im Frühling 2011 wollen die drei Grazien mit einem neuen Programm auf Tour gehen.